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Nawi für Könner: Das Wassercamp der AFG

20.07.2017

„Ich habe Muscheln und einen Querder gefunden!“- Sophia hält ihren Kescher hoch und reicht ihn Ann-Marie, damit diese die Funde in die große Schüssel am Ufer kippt. Nun rätseln am Ufer Julian, Ennio und Lilly, ob es sich um Erbsenmuscheln, Kugelmuscheln oder junge Flussmuscheln handelt. Bei der Bestimmung unterstützen sie die Betreuerinnen Franziska, Jannik und Kiara (SchülerhelferInnen von „Schulen für eine lebendige Unterelbe e.V.).

In dem zweitägigen Wassercamp, das die Anne-Frank-Gemeinschaftsschule zum zweiten Mal für ihre leistungsstarken Nawi-Schüler (Naturwissenschaften) organisiert, erforschen 20 Schülerinnen und Schüler der 5. bis 9. Klasse den Zustand der Osterau. Sie messen die chemisch-physikalische Güte, die biologische Güte und die Strukturgüte des kleinen Flusses, der durch den Wildpark Eekholt fließt.

In diesem Jahr hat das Camp eine noch größere Bedeutung: Diese Messungen dienen zum Vergleich für geplante Messungen in den nächsten Jahren. Denn Ende September findet das 10. Wassercamp von „Schulen für eine lebendige Unterelbe e.V.“ im Wildpark statt. Erstmals werden dann 8o Schülerinnen und Schüler von sieben Schulen gemeinsam mit dem Wildpark Renaturierungsmaßnahmen durchführen. Seit 2008 messen die Wassercamper aus Elmshorn, Pinneberg, Moorrege, Uetersen und Quickborn die Güte der Osterau und stellen immer wieder fest, dass es sehr wenige Fische und Wasserinsekten dort gibt, obwohl die Osterau von außen sehr natürlich wirkt. „Die Sohle des Flusses ist total versandet“, erklärt Samir, der zum dritten Mal dabei ist. „Und in dem Sand finden die Fischlarven keine Verstecke.“ Die Schülerinnen und Schüler hatten schon immer nach den Camps den Wunsch, die Osterau zu verbessern. Nun soll es klappen. Mindestens 8 Lastwagenladungen Kies werden in einem Streckenabschnitt außerhalb der Gehege an 8 Stellen ans Ufer in die Osterau gekippt. „Dann spielt der Bach damit, Insektenlarven finden Unterschlupf und vermehren sich, Fische laichen und pflanzen sich erfolgreich fort“, so der Gewässerökologe Dr. Ludwig Tent, der die Schulen und den Wildpark mit seinem Fachwissen und den vielfachen Erfahrungen unterstützt. Unter seiner Anleitung werden die Schüler den Kies als „Nasen“ und „Lenkbuhnen“ formen, sie werden Stöcker als Treibselsammler in den Fluss schlagen, damit das Wasser umgelenkt wird und Wirbel entstehen. So bilden sich auf der Sohle Kuhlen mit steinigem Untergrund, Wurzeln von Erlen werden frei gespült, aber auch an gewünschten Stellen Sandbänke aufgebaut, die den Uferabbruch verhindern.

„Dann können wir endlich nicht nur forschen, sondern auch etwas für die Umwelt tun“, sagen Tina und Luna. Die 9.-Klässlerinnen sind zum 6. Mal dabei und betreuen die jüngeren Schüler. Besonders interessant für alle ist die jährliche Untersuchung des Fischbesatzes der Osterau. Der Fischereibiologe Dr. Michael Neumann geht dabei mit dem Elektrokescher auf Fischfang. Die Tiere werden so betäubt, gefangen, vermessen und dann wieder frei gelassen. In dem Abschnitt der Osterau sind vergleichsweise wenige Exemplare und eine geringe Artenvielfalt. Daher wird genau dieser Bereich auch im September (28. -30.9.) renaturiert.

Das Exzellenz-Wassercamp der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule ist Teil des umfangreichen MINT-Konzepts der Schule (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), einem der pädagogischen Schwerpunkte der Schule. „Mit diesem Camp wollen wir unsere starken Schüler fördern und für die Naturwissenschaften noch mehr begeistern, so die Schulleiterin Maren Schramm.“

„Schulen für eine lebendige Unterelbe e.V.“ ist ein Verein, der seit mehr als 12 Jahren mit Schülerinnen und Schülern der Region Unterelbe Gewässeruntersuchungen an den lokalen Fließgewässern und der Osterau durchführt. Gefördert werden die Projekte seit 2005 vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein. (Informationen: www.unterelbeschulen.de ).

 

 

Foto: Gruppenfoto der Wassercamper

Fotoserien zu der Meldung


Wassercamp 2017 im Wildpark Eekholt (20.07.2017)

Bei strahlendem Wetter untersuchten die 26 Wassercamper (20 TeilnehmerInnen von Klasse 5 bis 8 und ihre 6 SchülerhelferInnen) an drei Mess-Stellen die Osterau: Im Wald neben dem Park, an der Flugwiese und beim Blesswildgehege.

Am ersten Tag haben wir gekeschert und die Tiere bestimmt. Nachmittags begleiteten wir vom Ufer aus den Fischereibiologen beim Elektrokeschern und konnten dann tatsächlich Plötze, Forelle und Gründlinge streicheln. Tag zwei stand im Zeichen der Strukturgüte: Wie ist das Ufer beschaffen, wie die Sohle, wie schnell fließt das Wasser, fließt es überall gleich schnell? Danach nahmen wir Wasserproben mit ins Camp, um die chemischen und physikalischen Messungen zu machen.

Das Ergebnis kurz zusammengefasst: Die Osterau ist weitgehend in einem guten Zustand, aber es liegt zu viel Sand am Boden und im Wasser ist zu viel Phosphat.

Und das Lagerleben kam auch nicht zu kurz: Werwolf spielen, Wasserrakete abschießen (und mit einem Ball aus dem Baum herunter holen), Grillen, Chillen, ...